Dachorganisation der kommunalen Seniorenbeiräte und Seniorenvertretungen in Bayern
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Polizeiruf 110 - Nachtschicht

Die Situation in unseren Altenheimen ist sehr angespannt. Verbesserungen sind nötig. Politik und Gesellschaft auf die unbefriedigende, teilweise sogar prekäre Situation der stationären Altenpflege aufmerksam zu machen und für Verbesserungen zu sensibilisieren, ist ein berechtigtes Anliegen. Der am Sonntagabend (7. Mai) in der ARD gezeigte Krimi „Polizeiruf 110 – Nachtschicht“ bewirkt aber genau das Gegenteil: bestehende Vorurteile werden verfestigt und damit objektiv nicht nachvollziehbare Ängste vor einem Umzug in ein Pflegeheim erzeugt. Heimbewohnerinnen und Heimbewohner sowie deren Angehörige werden auf das Schlimmste verunsichert; engagierte Pflegekräfte diffamiert.

Dass die Arbeit in einem Pflegeheim sehr belastend ist, ist unbestritten: körperlich und psychisch belastend, Schichtdienst, feste Anwesenheitszeiten, Wochenend- und Feiertagsarbeit, zu wenig Personal, vergleichsweise unzureichende Bezahlung. Warum die Arbeitsbedingungen aber so sind wie sie sind, greift der „Polizeiruf 110“ nicht auf. Dass Personalausstattung und Bezahlung nicht vom Staat vorgegeben, sondern von den Heimträgern sowie den Pflegekassen und Sozialhilfeträgern vereinbart werden, lässt der Krimi unter den Tisch fallen. Völlig aus dem Rahmen fällt der Schluss des Films: ein Heimbewohner, ehemaliger Polizist, mordet heimtückisch 23 Mitbewohnerinnen und Mitbewohner aus Verzweiflung, weil sein Rufen nach Verbesserung der Heimunterbringung nicht gehört wird. Damit wird aus einem gesellschaftspolitisch gut gemeinten „Polizeiruf 110“ ein Thriller nach amerikanischem Muster der 60er und 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts.

Eine Verbesserung der stationären Altenpflege setzt auch voraus, dass die Heimbewohnerinnen und Heimbewohner sowie deren Angehörige bereit sind, höhere Pflegesätze zu akzeptieren. Pflege nach Geldbeutel ist kein Verstoß gegen die Würde des Menschen. Nicht jeder fährt einen teuren BMW. Niemand erhebt den Anspruch, dass wir uns alle gleich teure Autos leisten können müssen. Diese Überlegungen müssen auch für die Pflege gelten. Voraussetzung ist jedoch, und diese Voraussetzung ist alternativlos, dass in der Pflege ein menschenwürdiger Mindeststandard gewährt wird, den jeder beanspruchen darf.

Franz Wölfl, Vorsitzender LSVB

 

 

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