Gemeinsam gegen Einsamkeit
Gemeinsam gegen Einsamkeit
Das Landesseniorenverband (LSVB) unterstützt voll und ganz die erneute Aktion “gemeinsam gegen Einsamkeit“, auch wenn diese eine Woche nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Wir begrüßen, dass das Thema Einsamkeit immer mehr in den Fokus tritt und über die Aktionswoche hinaus weitere Schwerpunkte und Projekte initiiert sind. Bedauerlicherweise sind diese bei weitem noch nicht in den Köpfen der Menschen und Kommunen angekommen. Somit bleibt noch viel Arbeit für Information und konkrete Umsetzung, um Einsamkeit so stark wie möglich zu reduzieren.
Einsamkeit ist ein vielschichtiges Phänomen mit unterschiedlichen Ursachen. Davon betroffen sind sowohl ältere als auch jüngere Menschen. Es gibt nicht die Antwort. Somit müssen auch die Angebote vielfältig sein.
Zum 4. Mal hat das Kompetenznetz Einsamkeit (KNE) in Kooperation mit dem Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ)) erneut vom 26. Mai bis 1. Juni 2025 die Aktionswoche „Gemeinsam aus der Einsamkeit“ aufgerufen, Menschen zusammen zu bringen, Begegnungen zu schaffen und über das Thema Einsamkeit zu sprechen. Einsamkeit soll enttabuisiert und Begegnungsräume sollen geschaffen werden. In diesem Jahr steht das gemeinsame Spielen im Mittelpunkt.
Im Dezember 2023 hat das Bundeskabinett bereits eine ressortübergreifende Strategie gegen Einsamkeit beschlossen. Es wurden fünf Ziele zur Stärkung der sozialen Verbundenheit und des gesellschaftlichen Miteinanders verfolgt: (1) Sensibilisierung der Öffentlichkeit, (2) Wissen stärken, (3) Praxis stärken, (4) Bereichsübergreifend agieren und (5) Menschen unterstützen – Angebote ausbauen.
Wissen gegen Einsamkeit
Frauen weisen eine höhere Einsamkeitsbelastung als Männer auf.
Gesellschaftliche Teilhabe, soziale Bindungen und Bildung wirken vorbeugend gegen Einsamkeit
Rund 60 Prozent leiden im privaten Umfeld häufig, manchmal oder selten unter diesem negativen Gefühl. Für vier Prozent ist Einsamkeit ein häufiger Begleiter, 13 Prozent geben an, manchmal das Gefühl von Einsamkeit zu haben, 41 Prozent selten. (12.2024)
Insbesondere bei Über-80-Jährigen besteht ein deutlich höheres Risiko einer sozialen Isolation, wenn unterschiedliche Problemlagen zusammenkommen. In Pflegeeinrichtung besteht ein größeres Risiko, einsam zu werden
Einsamkeit kann krank machen. Einsamkeit hat Folgen für den Körper und für die Seele.
Modellprojekte gegen Einsamkeit
Silbernetz – das Netzwerk gegen Einsamkeit im Alter, kostenlose Rufnummer 0800 4 70 80 90, Anonym, vertraulich und kostenfrei. Evaluationsprojekt von Februar 2025 bis Juli 2026.
ESF Plus-Programm zur "Stärkung der Teilhabe älterer Menschen - gegen Einsamkeit und soziale Isolation" Die EU fördert die Projektträger von Oktober 2022 bis September 2027. Das Programm soll die kommunale Angebotsstruktur für die Zielgruppe positiv und langfristig verändern, sodass ein teilhabeorientiertes und unterstützendes Gesamtangebot vor Ort geschaffen wird.
Modellprojekt "Fit und verbunden gegen Einsamkeit" des Deutschen Olympischen Sportbundes.
Mehrgenerationenhäuser bundesweit. Förderung erhalten 530 der Häuser durch das Bundesprogramm Mehrgenerationenhaus. Im Mittelpunkt stehen das Miteinander und Zusammenkommen von Jung und Alt.
das Projekt "Zukunftswerkstatt Kommunen" unterstützt Kommunen, die Folgen des demografischen Wandels zu gestalten, unter anderem die Einrichtung von Orten der Begegnung,
Über Einsamkeit reden
Leider ist Einsamkeit oftmals ein Tabuthema. Einsamkeit betrifft die gesamte Gesellschaft. Das Bundesgesellschaftsministerium hat 2022 die Kampagne gestartet: analoge und digitale Angebote für Menschen mit Einsamkeitserfahrung als auch für ihr Umfeld. Z.B. seit 2023 jeweils eine Aktionswoche Ende Mai: „Gemeinsam statt einsam“
Auch Sozialministerin Ulrike Scharf lädt erneut ein im Juli 25 zum Netzwerktreffen „Bayern gegen Einsamkeit“, um mit Institutionen, Verbände und Träger mit Präventionsmaßnahmen im Bereich Einsamkeit zu stärken.
Ein wichtiges Projekt der Ministerin ist z.B. seniorengerechte Quartierskonzepte und digitale Streetworker.
All diese Strategien und Maßnahmen sind zu begrüßen. Doch fehlen zur Umsetzung sowohl noch viel Manpower als auch finanzielle Mittel. Ein großer Teil dieser Projekte wird von Ehrenamtlichen, häufig von älteren Menschen geleistet. Leider ist zu befürchten, dass jetzt in finanziell schwierigen Zeiten genau im sozialen Bereich der Rotstift angesetzt wird.
Deswegen fordern wir als LSVB:
Stärkung des Ehrenamtes: Anrechnen auf die Rente, was ein weiterer Anreiz, gerade für Frauen sein kann, sich zu engagieren. Vergünstigungen z.B. Fahrtkosten
Weiterer Ausbau der Quartiersmanger/innen in den Kommunen mit bleibender finanzieller Förderung der Kommunen, da diese am leichtesten den Zugang zu Menschen, die einsam sind, finden.
Bundesweite Plattformen für digitale Netzwerke nicht nur zu fördern, sondern die Organisationen vor Ort in den Landkreisen oder Kommunen zu stärken, damit die digitalen Angebote in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Denn nur wenn diese in den Köpfen der Menschen ankommen, bringen sie den Mehrwert, den wir gegen die Einsamkeit erreichen möchten.
Sozialen Wohnungsbau, alternative Wohnkonzepte wie weiterhin Mehrgenerationshäuser, Alters-Wohngemeinschaften schnellstmöglich zu planen und bauen. Viele Jahre wurde bisher darüber gesprochen, doch jetzt ist es an der Zeit auch hierfür Geld aus dem Sondervermögen zu verwenden.
Konzepte für die Mobilität, damit Senior/innen bis ins hohe Alter am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.
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