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Stellungnahme zur Debatte um Pflegegrad 1

Betreff: Stellungnahme zur Debatte um Pflegegrad 1

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

die LandesSeniorenVertretung Bayern (LSVB) nimmt zu der Berichterstattung über die mögliche Streichung von Pflegegrad 1 Stellung. 

Wir lehnen diesen Vorschlag entschieden ab.

Begründung:

  1. Menschenwürde und Teilhabe: Pflegebedürftige mit einem Pflegegrad 1 benötigen trotz geringerer Beeinträchtigung Unterstützung im Alltag. Eine Streichung würde zu einer Ausgrenzung führen und den Zugang zu notwendigen Hilfen erschweren.

    1. Sicherung der Grundversorgung: Hilfen beim Duschen, Einkaufen und bei der Mobilität sind zentrale Unterstützungsleistungen, die verhindern, dass betroffene Personen in Pflegeheime oder betreutes Wohnen müssen. Das Risiko persönlicher und wirtschaftlicher Folgeschäden würde steigen.

    2. Finanzierungsgerechtigkeit: Die Abschaffung eines Pflegegrads verschiebt Kosten auf Betroffene und deren Familien sowie auf Kommunen und Pflegedienste. Ein gerechteres System muss Wege finden, Bedürfnisse unabhängig vom vermeintlichen „Grad“ angemessen zu berücksichtigen.

    3. Demografie und Diversität der Pflegebedürftigen: Die Zahl der Pflegebedürftigen wächst weiter. Ein robustes, verständliches und ausreichendes Leistungsniveau muss allen Begleit-Bedürfnissen gerecht werden, nicht nur den schwersten Fällen.

    4. Praxis- und Verwaltungsrealität: Pflegegrad 1 dient oft als Türöffner zu weiterführenden Unterstützungen und Koordinationsleistungen. Eine Abschaffung würde Bürokratie erhöhen, ohne transparenzfördernde Effekte.

    5. Erhalt des Pflegegrads 1 oder eine gleichwertige, nachvollziehbare Form der Unterstützung, die den Bedürfnissen von Menschen mit leichten Beeinträchtigungen gerecht wird.

    6. Sicherstellung einer verlässlichen, dauerhaften Finanzierung der Pflegeleistungen durch Bund-Land-Zusammenarbeit, ohne Leistungskürzungen, die zu einer Schlechterstellung führen.

    7. Transparente Kriterien, klare Bedarfsbelege und einfache Antragswege, damit Betroffene frühzeitig passende Hilfen erhalten.

    8. Stärkung der unabhängigen Beratung von Betroffenen und Angehörigen, damit Entscheidungen nachvollziehbar und fair getroffen werden.

 

 

 

Unsere Forderungen:

 

Schlussbemerkung: 

Die LSVB plädiert dafür, den Schlüssel zur Unterstützung nicht zu verkleinern, sondern unser Pflegesystem so zu gestalten, dass jeder Anspruchsberechtigte bedarfsgerecht unterstützt wird. Wir rufen Politik, Behörden und Verbände dazu auf, abgestimmte, inklusive Lösungen zu entwickeln, die der demografischen Realität gerecht werden und soziale Gerechtigkeit stärken.

 

 

 

 

 

Die LSVB ist die überparteiliche Dachorganisation der kommunalen Seniorenvertretungen in Bayern (Seniorenräte, Seniorenbeiräte und Seniorenbeauftragte in kreisangehörigen Gemeinden, kreisfreien Städten und Landkreisen). Wir sind politisch aktiv und bündeln die Senioreninteressen in den Kommunen. Wir stehen für Lebensqualität, Selbstbestimmung und Würde der älteren Generationen. Darüber hinaus engagieren wir uns für die Integration alter Menschen in allen Lebenslagen, wenden uns gegen alle Formen der Ausgrenzung oder Abwertung, fördern Initiativen und Aktivitäten Älterer durch „Hilfe zur Selbsthilfe“, unterstützen aktives Zusammenleben, lebenslanges Lernen sowie den Dialog und die Solidarität zwischen den Generationen. Zur Zeit sind 210 kommunale Seniorenvertretungen Mitglied der LSVB. In den Gebietskörperschaften, die bei uns Mitglied sind, wohnen rd. 1,7 Mio. Seniorinnen und Senioren, die 65 Jahre und älter sind, bzw. 2,1 Mio. Seniorinnen und Senioren, die das 60. Lebensjahr vollendet haben. 

 

V.i.S.d.P.: Helmut Hirner, Papiermühlenweg 1487448 Waltenhofen, Tel. Mobil: +49 170 9942414

 

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Veröffentlichung

Di, 30. September 2025

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